Um es begreiflich zu machen warum eine richtige Ernährung bei Kaninchen so wichtig ist, muss man ersteinmal deren Verdauung verstehen.
Grundwissen zum Verdauungsapparat des Kaninchens
1. Kaninchen haben wie Nager ständig nachwachsende Zähne (sie wachsen bis zu 4m in der Woche) die durch fressen fester Nahrung (Heu, Pellets, Rinde) ständiger Abnutzung unterliegen müssen. Auch die Backenzähne wachsen ständig... ein Leben lang!
2. Sie haben keinen bemuskelten Magen, sondern einen Stopfmagen.
Der Nahrungstransport erfolgt passiv durch andauerndes Fressen kleiner Portionen (Dauerfresser: 70-120 Fresseinheiten am Tag), deshalb auch rohfaserreiches, energiearmes Futter geben (Heu, Kräuter, KEIN Saftfutter).
Der Kaninchenmagen sollte also immer gefüllt sein, da es sonst Verdauungsprobleme bekommt z.B. Trommelsucht (eine Fehlgärung/Aufgasung die zum Tod führen kann) und Durchfall.
3. Blinddarmverdauung- Der Blinddarm ist beim Kaninchen von großer Bedeutung. Er macht ca. 8% des Körpergewichtes aus. Der Blinddarm ist eine große Gärkammer und gewährleistet die gute Rohfaserverwertung durch das Kaninchen. Er reagiert bei plötzlichen Futterumstellungen (z.B viel Saftfutter z.B. Möhren, Gurke) mit Fehlgärungen, Blähungen und Durchfall.
Der Blinddarm produziert einen speziellen Kot- den Blinddarmkot. Das ist ein grau-schwarzer, schleimiger, perlenartig aneinandergereihter Kot, der vom Kaninchen direkt vom After wieder wieder aufgenommen wird (nein Kaninchen haben keinen ansaug-after, sie Fressen den Kot halt nochmal) und so einer 2ten Verdauung nochmal zugeführt werden muss, um so noch nicht verdaute Rohfaser und die darin enthaltene Pro-Vitamine aufzuschließen und zu nutzen.
Dadurch vermag das Kaninchen Vitamine zu speichern und besonders intensiv zu nutzen.
Und nun wo wir jetzt wissen wie komplex die Kaninchenverdauung doch ist, gehts ums richtige, artgerechte Futter.
Heu, Heu und nochmals HEU! Heu ist das wichtigste Futtermittel fürs Kaninchen. Man bietet es ihnen am besten in einer Heuraufe an, da Kaninchen angepinkeltes Heu nicht mehr Fressen. Am besten eignet sich Kräuterheu mit langen Halmen. Gepresstes oder normales Heu von der netten Firma welche mit "V" anfängt und jeder kennt, sollte man meiden. Das Heu wird zu lange gelagert, ist staubing, krümelig und birgt meist Lästlinge (Milben, Haarlinge) in sich, sie man sich schnell mit nach Hause nimmt. Bunny oder Activa bieten sehr gutes frisches Heu zu humanen Preisen an, frei von Fremdkörpern oder Lästlingen.
Ein großer Sack Heu sollte nach einer Woche bei 2 Kaninchen aufgebraucht sein.
d.h. Heu sollte auf jeden Fall 85% des Alleinfutters ausmachen.
Kräuter:
Löwenzahn, Kohldistel, Beifuß, Kamille, Ackerminze, auch Küchenkräuter wie Petersilie, Basilikum, Sonnenblumen, Ringelblumen, Gänseblümchen, Möhrenkraut, Fenchelgrün, Kohlrabiblätter, Luzerne, Erbsenkraut, Melisse, Echinacea, Kamille, Klee, Rosenblätter...
Bekommt man im gut sortierten Zoofachgeschäft für wenig Geld getrocknet, frisch im Supermarkt oder aus dem heimischen Garten (vorher gut abwaschen)
Grünfutter:
Da gilt immer Füttern in relation zur Größe und Gewichts des Tieres. Grünfutter zählt zum Saftfutter und wird bei Kaninchen eher wenig gegeben. Klar möchte man seinem Tier was "Gutes" tun indem man ihm jeden Tag 2 Möhren, nen halben Salatkopf und eine halbe Gurke in den Käfig/Stall wirft. Aber genau dieses "Saftfutter" enthält zu viel Wasser und kaum bis garkeine Rohfasern, somit "trinkt" sich das Kaninchen satt und es kommt dann auch oft zu Fehlgärungen woraus eine Trommelsucht resultiert. Saftfutter also bitte nur als "Leckerlie" 2 mal die Woche in Maßen anbieten.
Dazu enthalten Möhren auch zu viel Zucker was das Tier zu Fett umwandelt. Gurken (die Schale) sind meist gespritzt, also besser vorher schälen.
Salat ist sehr Nitrathaltig. Zu viel Salat führt zu einer Nitratvergiftung, an der das Tier ganz elendig zu Grunde geht... vor allem Kopfsalat/ Blattsalat.
In Maßen gegeben kannst du deinem Kaninchen Eisbergsalat, geschälte Gurke, Möhrenkraut, Endivien, Fenchelgrün (färbt den Urin nicht panisch werden), Kohlrabiblätter, Pastinaken, Paprika (ohne Strunk), Radieschenblätter, Sellerie geschält, Kohlrübe.
Trockenfutter:
Bitte NUR Vollpelletiertes Futter, kein Buntfutter. Buntfutter schaut nur für uns Menschen besser aus und lässt uns denken es sei besser fürs Tier als diese langweiligen grünen Pellets.
Irtum. Das Buntfutter enthält zu viel Zucker, Lockstoffe, Konservirungsstoffe und Getreide.
Kaninchen fressen das zwar sehr gerne, aber gut und gesund ist dieses Futter nicht. Es macht nur Fett und verringert die Lebensdauer des Tieres ungemein.
Es gibt leider (noch) zu wenig Hochwertiges Pelletfutter auf dem Markt. Pellet is nicht gleich Pellet. Die meisten enthalten versteckten Zucker, da sie nicht gepresst sind, sondern durch Melasse oder Honig zusammen gehalten werden.
Welche Firmen gutes Zwergkaninchenfutter anbieten sind Bunny, JR Farm (das Light Futter) oder Hansemann's Team (online). Der Rest ist eher für die Schweinemasst oder Taubenfüttern geeignet.
Futtermenge am Tag: Pro Kaninchen 4 Esslöffel.
In diesem Sinne...



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