Bei Vögeln kommen Schlaganfälle im Allgemeinen relativ selten vor. Meist sind von dieser Erkrankung vor allem alte Wellensittiche, Nymphensittiche oder Unzertrennliche (Agaporniden) betroffen. Sehr selten erleiden junge Individuen der genannten Vogelarten einen Schlaganfall.

Was ist ein Schlaganfall?

Grob vereinfacht ausgedrückt, lösen bei Tieren und Menschen winzige Blutungen beziehungsweise Blutgerinnsel, die sich im Gehirn festsetzen, einen Schlaganfall aus. Je nachdem, welches Areal des Gehirns eines Vogels betroffen ist, wirkt sich der Hirnschlag unterschiedlich auf das Tier aus. Da ein solches Gerinnsel die Durchblutung des umliegenden Bereichs vermindert oder komplett unmöglich macht, erleidet die betroffene Hirnregion einen Mangel an Sauerstoff, was nicht selten zum sofortigen Tod der Zellen führt. Schwere motorische Störungen bis hin zu Lähmungen sind die Folge eines solchen Sauerstoffmangels. Tiermediziner sprechen in ihrem Fachjargon bei einem Hirnschlag von Apoplexie.

Syntomatik:

In den meisten Fällen geschieht es nachts, wenn der Vogel ruhig und entspannt ist. Ohne jede Vorwarnung kommt es zu den oben genannten, starken körperlichen Ausfallerscheinungen, so dass der betroffene Vogel erschrickt und laut schreiend von der Stange fällt.

Häufigste Folgen eines Schlaganfalls sind halbseitige Lähmung - in aller Regel ist nur eine Gehirnhälfte betroffen - oder einseitige Erblindung. Ist ein Bein durch den Schlaganfall gelähmt, so sind die Zehen zu einer kleinen Faust oder in der so genannten Kusshandstellung (alle Zehen liegen aufeinander) fest verkrampft und gelähmt. Der erkrankte Vogel liegt unmittelbar nach dem Schlaganfall am Boden und ist vollkommen orientierungslos oder apathisch. Manche Tiere geraten hingegen regelrecht in Panik, weil sie nicht mehr richtig sehen können. Nur mit Mühe kann man als Vogelhalter sein Tier in einer solchen Situation beruhigen.

Gefiederte Schlaganfallpatienten leiden in den ersten Tagen oft an mangelndem Appetit, so dass die Vögel in dieser Zeit zu verhungern drohen.

Erstellung einer sicheren Diagnose:

Solltest Du den Verdacht hegen, dass dein Vogel einen Schlaganfall erlitten hat, so musst du ihn schnellstmöglich zum Tierarzt oder zum tierärztlichen Notdienst bringen. Nur geschultes Fachpersonal kann eine sichere Diagnose stellen. Es ist absolute Eile geboten, weil eine rasche Behandlung des Vogels dazu führen kann, dass er seine motorischen Fähigkeiten ganz oder zu weiten Teilen wieder erlangen wird.

Wie Therapiert man nach dem Schlaganfall?

In den meisten Fällen wird Wellensittichen und anderen Ziervögeln nach einem Schlaganfall Kortison, Cerebrum compositum (Heel, homöopathisches Präparat), ein hoch dosierter Vitamin-B-Komplex oder eine Kombination aus diesen Medikamenten gespritzt. Nach ein bis zwei Tagen wird die Behandlung mit den oben genannten Mitteln oder anderen Präparaten normalerweise noch einmal wiederholt. Der Vogel muss in der Zwischenzeit möglichst viel Ruhe haben.

Je nachdem, wie gut die Therapie anschlägt, ist der erkrankte Vogel nach wenigen Tagen über den Berg. Zeigen die Medikamente jedoch nach einigen Tagen noch immer keine Wirkung, ist dem Tier vermutlich leider nicht mehr zu helfen. In diesem Fall solltest du darüber nachdenken, den Vogel durch einen Tierarzt von seinen Qualen erlösen zu lassen, auch wenn das Einschläfern persönlich eine schreckliche Erfahrung ist. Wer sein Tier wirklich liebt, sollte im entscheidenden Moment dazu bereit sein, es gehen zu lassen, sofern es nur noch leidet und keine Chancen auf eine Heilung bestehen.

Unterbringung nach dem Schlaganfall:

Da Vögel in den Tagen nach einem Schlaganfall unter starken Störungen Ihres Gleichgewichtssinns sowie unter Umständen an Lähmungen leiden, sollte man Schaukeln aus dem Krankenkäfig entfernen. Auch wackelige Sitzstangen sind für einen Schlaganfallpatienten keine geeignete Käfigeinrichtung. Alle fest sitzende, glatte Stangen, an denen sich keine "Stolperfallen" befinden, möglichst niedrig im Käfig anbringen.

Sehr wahrscheinlich wird sich ein erkrankter Vogel in den ersten Tagen ohnehin nicht auf den Sitzstangen aufhalten können, da er zu starke Gleichgewichtsstörungen oder Lähmungen erleidet. Deshalb ist es wichtig, den Boden des Krankenkäfigs zu polstern. Als untere Schicht empfiehlt sich ein mehrfach gefaltetes Handtuch. Darüber folgt eine Schicht aus zwei bis drei Küchenhandtüchern, die aus glattem Leinen bestehen sollten. Die obere Schicht bildet eine Lage Küchenkrepp, die man alle paar Stunden oder aber mindestens einmal am Tag austauschen sollte, damit der Vogel nicht in seinen eigenen Kotballen liegen muss.

Achtung: In einem Krankenkäfig für einen gefiederten Schlaganfallpatienten darf nur ein kleiner Trinknapf zum Einhängen ins Gitter angebracht werden! Niemals einen Napf auf den Boden des Käfigs stellen, der kranke Vogel könnte darin ertrinken!

Was man sonst noch tun kann:

Vor allem in den ersten Tagen nach dem Schlaganfall ist es wichtig, dass ein erkrankter Vogel genügend Nahrung zu sich nimmt. Reiche ihm viele unterschiedliche Futtersorten sowie sein Lieblingsfutter. Je mehr Frischkost der Vogel frisst, desto besser, da sein Körper nach dem Hirnschlag einen erhöhten Vitaminbedarf hat. Als zusätzliches Futter eignet sich vor allem gekeimter Weizen, da dieses Getreide große Mengen Vitamin B enthält.

Trinkwasserzusätze, die Vitamine enthalten, sind ebenfalls in den meisten Fällen eine gute Ergänzung der tierärztlichen Therapie. Meist stehen Tierärzten jedoch erheblich wirksamere Präparate zur Verfügung, die den in Zoohandlungen frei verkäuflichen Mitteln weit überlegen sind. Sprech den Arzt gezielt auf solche Vitaminpräparate an.

Viele Vögel, die einen Hirnschlag erlitten haben, sitzen gern an einer warmen Stelle, weil sie frieren. Es wäre jedoch fatal, den betroffenen Tieren zu viel Wärme zuzuführen, sie sollten niemals mit einer Infrarotlampe, also mit Rotlicht, bestrahlt werden! Durch die Wärme weiten sich die Blutgefäße, was vor allem im Gehirn zu einem Anstieg des Blutdrucks und somit zu weiteren Schäden des Gewebes führen kann. Besser ist es, den Krankenkäfig an einem warmen Ort, also beispielsweise in der Nähe eines Heizkörpers, aufzustellen.

Um die Beweglichkeit der gelähmten Gliedmaßen wiederherzustellen, kann es sinnvoll sein, mit dem Vogel krankengymnastische Übungen durchzuführen. Mit der Durchführung dieser Übungen sollte allerdings nicht zu früh begonnen werden, in der ersten Woche nach dem Schlaganfall braucht der betroffene Vogel absolute Ruhe! Außerdem ist es sinnvoll, sich die Übungen vom Tierarzt zeigen zu lassen.

Bitte sprich generell sämtliche unterstützende Maßnahmen, die du dem Vogel angedeihen lassen willst, mit dem Tierarzt ab. In manchen Fällen sind bestimmte Dinge schädlich für einen erkrankten Vogel. Deshalb ist es wichtig, bei einer so heiklen Erkrankung wie einem Schlaganfall nie in Eigenregie ohne Absprache mit dem Tierarzt zu handeln!

Das Leben nach dem Schlaganfall:

Leider genesen nicht alle gefiederten Hirnschlagpatienten wieder vollständig. Bei vielen Tieren bleiben Lähmungen oder eine Fehlsichtigkeit zurück, die den Alltag eines Ziervogels dramatisch verändern können. Andere halten für den Rest ihres Lebens den Kopf schief. Manche Vögel büßen durch einen Schlaganfall ihre Flugfähigkeit ein, andere bleiben auf einem Auge blind und wieder andere haben zeitlebens ein gelähmtes Bein.

Es bleibt dem Halter sowie dem behandelnden Tierarzt überlassen zu beurteilen, ob der betroffene Vogel aufgrund seines Handicaps überhaupt noch Lebensqualität hat. Sollte die Entscheidung positiv ausfallen, muss man sich als Vogelhalter unter Umständen auf einige bauliche Veränderungen im Umfeld des Vogels einstellen.